1.10 Randersacker – Deutschland – Bayern – Kreis Würzburg – Franken
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Der Ort Randersacker

Randersacker ist ein reizvoller Ort am Main mit winkligen Gassen und mittelalterlichen Torbögen. An eine große Vergangenheit erinnern auch der einst fürstbischöfliche Zehnthof mit großem Torbogen und Hofraum, das 1717 umgebaute Bergmeisterhaus, der Edelhof des Barockbaumeisters Bathasar Neumann, der Mönchshof der Heilsbronner Zisterzienser und nicht zuletzt die weinlaubumrankten Zeugen vergangener Jahrhunderte. Bei einer Dorfführung ist der Besuch in der Winzerstube, der Fischerstube und dem Steinhauermuseum Pflicht. Auch die Pfarrkirche St. Stephan mit ihrem fein gegliederten romanischen Kirchturm in der Ortsmitte verdient einen Abstecher.

Randersacker ist einer der größten Weinorte Frankens. Die ersten Namen berühmter Weinlagen datieren aus einer Zeit, da Sendboten Karls des Großen im Oktober 779 den Markungsverlauf getreulich aufschrieben. Dass auf Randersackerer Sonnenhängen ein köstlicher Tropfen wächst, hat sich weit herumgesprochen. Randgefüllte Kannen bereicherten des Kaisers Tafel. In den Humpen der Nürnberger Burggrafen und Ansbacher Markgrafen verhieß Randersackerer Wein einen Hochgenuss. Ihm sprachen ebenfalls Würzburger Fürstbischöfe und Domherren zu. Die Grafen von Henneberg und die Ritter von Seinsheim waren ebenso stolz auf ihren Weinbesitz wie die Grafen von Castell und die Herren von Hohenlohe. Die Zisterziensermönche von Heilsbronn bei Ansbach fuhren den Wein fuderweise aus ihrem Randersackerer Mönchshof ins Kloster. Die Langheimer Zisterzienser bezogen den guten Tropfen aus ihrem Wirtschaftshof. Auch im Ebracher Kloster stand Randersackerer Wein auf der Tafel. Vor allem die Würzburger Benediktinerabtei St. Stephan, das Kloster Himmelspforten, das Agnetenkloster und die Augustiner waren stolz auf ihren Randersackerer Weinbesitz. Wein und Weinbrauchtum prägen den Jahreslauf. Für den Winzer gibt es keine Jahreszeit, in der er gemächlich die Beine unter den Tisch stecken kann. Nach harter Weinbergsarbeit legt er den Karst (Breithacke) aus der Hand und kümmert sich um seine Gäste. Die genießen solche Weinabende in vollen Zügen. 

Die gepflegte Gastronomie in Randersacker lässt keine Wünsche offen, ob es um Essen und Trinken oder ein gutes Nachtquartier geht. Reichhaltige Speisekarten bieten von "blauen Zipfeln" bis zum mehrgängigen Menü alles, was das Herz begehrt. Zünftige Heckenwirtschaften laden ein, Cafes bieten Kuchen, flotte Musik lädt zum Tanz und selbst Biertrinker kommen auf ihre Kosten. Dominierend aber sind die einladenden Weinstuben, eine jede mit eigenem Charakter und eigener Atmosphäre. Weinproben in gewölbten Winzerkellern, in denen es nach Most duftet, versprechen ein besonderes Erlebnis. Leicht kann es einem dabei ergehen wie dem Dichter Anton Schnack: "Es währet nicht mehr lange, da komme ich entweder eine Kellertreppe herauf oder ich gehe eine Kellertreppe hinunter. Jedes Mal werde ich seliger sein, und die Seligkeit wird mir im Gesicht mit dicker Bauernfarbe hängen." In Randersacker mangelt es weder an Arbeit, noch an Gästen, noch an frohen Festen. Es ist nicht nur die letzte Fuhre nach der Lese, die es zu feiern gilt. Wer auch immer einlädt, die Gäste strömen wie in früheren Zeiten. Charmante Weinköniginnen samt Prinzessinnen mischen sich unter das fröhlich feiernde Volk. 

Oft wird zu Weinbergswanderungen eingeladen. Dann geht es unter kundiger Führung die Rebhänge hoch. Bietet sich von dort doch ein einzigartiger Blick auf das Silberband des Mains, auf dem die Lastkähne flussaufwärts tuckern, die Fahrgastschiffe talwärts gleiten. Besondere Anziehungspunkte für Weinwanderer sind die Maria-Schmerz-Kapelle, die die Weinberge und den Marktflecken Randersacker krönt, und der Altfränkische Weinberg im Herzen des Pfülben, der zu geruhsamer Rast einlädt. Auch der Fischlehrpfad zwischen Dorf und Teufelskeller lohnt einen Spaziergang.

Randersackerer Weinlagen und ihre Geschichte

Der Weinbau bei Randersacker wurde 779 erstmals erwähnt, lange bevor der Name des Ortes in einer Urkunde auftauchte. Bevor der Würzburger Fürstbischof Gottfried Schenk von Limpurg Randersacker am 4. Juni 1451 Ratsverfassung und Marktrecht verlieh, bauten seine Vorgänger 1330 den Zehnthof. Dort residierte der bischöfliche Schultheiß, um Steuern und Abgaben in Form des Zehnt einzunehmen. 1332 fielen dem Hof 260 Fuder Wein als Zehnt zu, über 2300 Hektoliter; ein Beispiel für den Weinreichtum in der Randersackerer Gemarkung. Die bestand vor der Flurbereinigung aus 7500 einzelnen Rebgrundstücken mit etwa 450 Flurnamen. Übrig geblieben sind die berühmten Lagen Sonnenstuhl, Pfülben, Teufelskeller, Marsberg, Lämmerberg, Ewig Leben und Dabug. 

Die Randersackerer Weine stellen in ihrer aufeinander abgestimmten Vielfalt eine vollendete Symphonie im dionysisch-bacchantischen Zauber dar. Aus gutem Grund wird der alte Spruch aus dem Bergmeisterhaus zitiert: "Trink aus Randersackerer Lagen der Trauben unverfälschten Saft. Vor Krankheit wird er dich bewahren und stählen deine Lebenskraft."

Die Lage Teufelskeller erinnert nicht an den Höllenfürsten, sondern an die Würzburger Patrizierfamilie Däuffel, die das Bürgerspital gründete. Der Pfülben ist der König unter den Randersackerer Weinlagen. Der Sonnenstuhl mit seinem verheißungsvollen Etikett schluckte einen ganzen Flickenteppich von Flurnamen. Der Spielberg musste dem Lagenamen Marsberg weichen. Sein Ursprung Billberg erinnert an Gericht und Galgen, an dem des Henkers Hand so manchen Delinquenten mit des "Seilers Töchterlein" vermählte. Dafür verheißt die Lage "Ewig Leben" die ersehnte Seligkeit. 

Sehenswertes

Pfarrkirche St. Stephan

Die katholische Pfarrkirche St. Stephan ist im Kern eine spätromanische Saalkirche. 1605 wurde sie seitlich durchbrochen und dreischiffig in nachgotischen Formen umgebaut. Der Chor wurde bereits im 16. Jahrhundert verändert. Der romanische Turm, ein Quaderbau mit reicher Gliederung, ist noch gut erhalten. Die unteren Teile stammen aus dem 12. Jahrhundert, die oberen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Auf dem Hochaltar (um 1700) ist ein Rokokotabernakel aus der Würzburger Reuererkirche zu sehen. Die seitlichen Altarblätter wurden 1683 und 1704 von Oswald Onghers gestaltet. Sehenswert sind auch eine spätgotische Büste des Heiligen Urban (um 1500) und die Seinsheimischen Bildnisgrabsteine aus dem 14. Jahrhundert. 

Maria-Schmerz-Kapelle

Die katholische Maria-Schmerz-Kapelle auf dem Kapellenberg wurde 1903 im neuromanischen Stil errichtet. Zu ihr gehört ein Kreuzweg.

Zehnthof

Der ehemalige Zehnthof des Würzburger Domkapitels wurde laut Inschrift 1332 angelegt. 1615 fand ein Umbau statt. Den Innenhof schließt ein unregelmäßiger Gebäudekomplex ein.

Mönchshof

Der Mönchshof, der ehemalige Hof des Zisterzienserklosters Heilsbronn bei Ansbach stammt aus dem 13. Jahrhundert. Zu ihm gehört die ehemalige Thomaskapelle, aus dem 15. Jahrhundert, die jedoch heute nicht mehr die Funktion eines Gotteshauses ausübt.

Ortsteil Lindelbach

Lindelbach rückte durch die Eingemeindung zu Randersacker 1975 noch näher in den Würzburger Naherholungsbereich. Seine Gastwirtschaften genießen seit jeher einen guten Ruf. Wanderer benutzen gern von Randersacker aus unter kundiger Führung den Weg über die Steinbrüche. Lindelbach ist ein Winzer- und Bauerndorf, in dessen Neubaugebieten viele Neubürger eine Heimat gefunden haben. Der besuchenswerte Ortsteil bemüht sich, Charakter und Eigenleben zu bewahren. Sehenswert ist vor allem die evangelische Pfarrkirche, eine Chorturmkirche aus dem 13. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde sie um einen Polygonchor erweitert.

Anfahrt nach Randersacker

Spaziergänger, Wanderer und Radler wählen den Uferweg durch das reizvolle Maintal, einen der schönsten Wanderwege im Würzburger Naherholungsbereich. Autofahrer wählen die B13 oder die Autobahn, denn Randersacker hat einen Autobahnanschluss. Wer von Frankfurt oder Heilbronn kommt, wählt nach Würzburg die Richtung Nürnberg und fährt nach dem Rasthaus Würzburg-Süd ab. Von der Rhön her geht die Fahrt über das Biebelrieder Kreuz in Richtung Würzburg. Von Würzburg aus verkehren Omnibusse, im Sommer auch Fahrgastschiffe (auf Anfrage). Ortskundige spazieren vom Würzburger Hubland aus über den Berg und gelangen über Kapelle und Kreuzweg nach Randersacker. Wer linksmainisch wandert, gelangt über den Wehrsteg auf die rechte Uferseite.

Main - Weißer Main, Roter Main bis zur Mündung in den Rhein

1 Bamberg – Randersacker

2 Würzburg – Marktheidenfeld

3 Wertheim – Niedernberg

4 Aschaffenburg – Frankfurt

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